BR. Mit welchen Mitteln könnte in der Altersvorsorge und bei den Steuern dafür gesorgt werden, dass Personen nach Erreichen des Regelrentenalters vermehrt erwerbstätig bleiben? Der Bundesrat hat zu dieser Frage einen Bericht verabschiedet. Darin kommt er zum Schluss, dass in der AHV und teilweise auch in der beruflichen Vorsorge die wirksamsten Massnahmen mit der Reform AHV 21 bereits umgesetzt werden. Soll die Steuerbelastung auf dem Erwerbseinkommen von Personen im Rentenalter gesenkt werden, bräuchte es dafür eine Verfassungsgrundlage.
Rentner
Ein Land für Rentner
Our global population is getting older. By 2050, the OECD predicts that 30% of people worldwide will be aged 65 or over.
While some countries are relatively prepared to handle this increase in the elderly demographic, others are already feeling the squeeze and struggling with the challenges that come with a rapidly aging population.
Which countries are the best equipped to support their senior citizens? This graphic uses data from the 2022 Natixis Global Retirement Index to show the best countries to retire in around the world, based on several different factors that we’ll dig into below.
Aus Babys werden Rentner
CHSS. Die Alterspyramide der Schweiz hat ihre klassische Form verloren. Grund dafür sind die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge, die nun ins Rentenalter kommen: Einer schwach besetzten Jugendgeneration steht eine wachsende Zahl von über 65-Jährigen gegenüber. Auch der Altersquotient – das Verhältnis zwischen der Bevölkerung im Rentenalter und der Bevölkerung im Erwerbsalter – hat sich seit 1948 stark verändert: Während damals weniger als 16 über 65-Jährige auf 100 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren entfielen, sind es heute bereits über 30. Im Jahr 2050 dürfte der Altersquotient gemäss dem Referenzszenario des Bundesamtes für Statistik (BFS) auf 46,5 steigen.
Gut versorgte Rentner, mehrheitlicher Vorbezug in der BV
CHSS. Der Übergang ins Rentenalter birgt für die meisten Neurentnerinnen und -rentner keine finanziellen Risiken. Im Gegenteil: Personen in Haushalten mit geringen Mitteln erfahren im Durchschnitt eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation beim AHV-Rentenübergang. Wer eine Rente der zweiten Säule bezieht, verfügt über mehr finanzielle Mittel als der Durchschnitt. Das ist das Fazit einer vom Basler Institut für Wirtschaftsstudien (IWSB) im Auftrag des BSV erstellten Studie.
Zum Rentenbezug bez. berufliche Vorsorge wird festgestellt: der Rentenvorbezug ist deutlich verbreiteter als in der AHV: Jede zweite Person entscheidet sich dafür (52 %), 36 Prozent beziehen die Rente aus der zweiten Säule zum ordentlichen Zeitpunkt und nur 12 Prozent danach.
Rentnerparadiese
Die UBS hat eine Studie mit dem Titel “Wo ist der beste Ort für den Ruhestand?” publiziert. Die Schweiz schneidet mittelprächtig ab. Zusammenfassend wird ausgeführt:
- Einige Schweizerinnen und Schweizer erwägen, auf der Suche nach einem günstigeren und besseren Ort für den Ruhestand ins Ausland zu ziehen.
- Während die meisten Länder einen Kompromiss zwischen Kosten und Lebensqualität erfordern, bieten einige Destinationen eine ähnliche Lebensqualität wie die Schweiz, jedoch zu tieferen Lebenshaltungskosten.
- Die wahren Lebenshaltungskosten hängen jedoch sehr stark von der persönlichen Situation und den Ausgabegewohnheiten ab, da sich scheinbar billige Ziele als teuer erweisen können.
- Steuern und die Gesundheitsversorgung können die Gesamtlebenshaltungskosten stark beeinflussen. Es ist wichtig, die Sozialversicherungsabkommen zu berücksichtigen.
Avenir Suisse: Gleichbehandlung von Aktiven und Rentnern
Jérôme Cosandey von Avenir Suisse schreibt zum Thema Inflation und Kaufkraft der Renten:
Während früher sehr tiefe Inflationsraten die Vorsorgebranche beunruhigte, ist es heute der rasante Anstieg der Teuerung in Europa, in den USA und in einem geringeren Ausmass in der Schweiz. Nun werden die Stiftungsräte auch auf der Passivseite der Bilanz vor knifflige Probleme gestellt: Einerseits liegen die Reserven zwar noch im komfortablen Bereich, andererseits erodiert die Kaufkraft der Pensionäre durch die Inflation. Entsprechend dürfte schon bald der Ruf nach Rentenerhöhungen laut werden.
Im Gegensatz zur AHV sieht das BVG keinen automatischen Teuerungsausgleich der Renten vor. Eine Anpassung an die Preisentwicklung ist den Kassen freigestellt, gemäss Art. 36 BVG aber «entsprechend den finanziellen Möglichkeiten der Vorsorgeeinrichtung». Es handelt sich somit um eine Option, nicht um eine Pflicht.
Den Rentnern geht es gut
Hansueli Schöchli stellt in der NZZ eine neue, an der Universität erstellte und vom BSV verbreitete Studie über “Die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung im Erwerbs- und im Rentenalter” vor. Sie zeigt, dass die Mehrheit der Rentner finanziell gut gesichert ist. Das ist in Zeiten umstrittener Reformen der Vorsorgewerke brisant. Schöchli schreibt:
Kein spezielles Finanzrisiko ist das Alter. Rentner haben mangels Erwerbstätigkeit fast naturgemäss im Mittel tiefere Einkommen als Erwerbstätige, doch die Differenzen sind bemerkenswert gering und wären bei Berücksichtigung von Kostenunterschieden wohl noch geringer. Der Anteil der Haushalte mit sehr geringen Mitteln ist bei Erwerbstätigen (9 Prozent) und Rentnern (8 Prozent) etwa gleich hoch. In der nächsten Stufe (geringe Mittel) ist der Rentneranteil etwas höher. Insgesamt hatten über drei Viertel aller Rentnerhaushalte hohe Mittel oder lagen im Mittelfeld.
Gemessen an den gesamten Nettovermögen standen die Rentner im Mittel deutlich besser da als die Erwerbstätigen. In allen Altersgruppen ab 65 hatte die Hälfte aller Haushalte ein Nettovermögen von mehr als 240 000 Franken, und ein Viertel lag über 600 000 Franken. Ein Teil des Anstiegs von der Altersgruppe 60–64 zur Altersgruppe 65–69 dürfte laut der Studie durch Kapitalbezüge aus der beruflichen Vorsorge erklärbar sein. Viele Rentner scheinen nicht von ihrem Vermögen leben zu müssen. Die Zahlen lassen mutmassen, dass im Mittel die Nettovermögen zwischen 65 und 90 kaum abnehmen (vgl. Grafik).
Rund ein Achtel aller Altersrentner in der Schweiz bezieht offiziell Ergänzungsleistungen. Die Mehrheit der Rentnerhaushalte scheint dagegen finanziell gut gebettet zu sein. Was vor 14 Jahren galt, gilt daher noch immer: Die in der AHV und der beruflichen Vorsorge weiterhin vorherrschende Tendenz zur versteckten Umverteilung von Jung zu Alt lässt sich nicht «sozial» begründen. Entscheidend sind hier vielmehr die Gesetze der politischen Mechanik: Die Älteren haben ein hohes Stimmgewicht an der Urne, der Mensch schiebt gerne Lasten auf spätere Generationen ab, einmal etablierte Privilegien sind kaum mehr wegzubringen, und für die Jungen ist das System der Altersvorsorge noch weit weg vom Lebensfokus und zudem schwierig durchschaubar.
Rentnerbestände als Herausforderung
Rentnerbestände stellen in der beruflichen Vorsorge aus diversen Gründen eine Herausforderung dar. Eine Übertragung von Rentnerbeständen an eine andere Vorsorgeeinrichtung zur Konsolidierung von Rentnerbeständen kann aus Sicht der abgebenden Vorsorgeeinrichtung eine attraktive Lösung darstellen, finanzielle Risiken zu reduzieren. Es gibt Anzeichen im Markt, dass solche Transfers vermehrt möglich sein könnten. Richard Köppel, PwC, gibt eine Übersicht über Problematik und neue Lösungsansätze.
Schwerer werdende Rentnerlast
Michael Ferber geht in einem Artikel der NZZ auf die schwierige Situation der Vorsorgeeinrichtungen mit hohen Rentnerbeständen ein. Es besteht die Gefahr, dass Kapital nachgeschossen werden muss.
Besonders grosse Probleme könnten Vorsorgeeinrichtungen mit einem ungünstigen Verhältnis zwischen aktiven Erwerbstätigen und Rentnern bekommen. «Die Gefahr, dass Rentner nachfinanziert werden müssen, ist mit dem jüngsten Zinsrutsch nochmals gestiegen», sagt Peter Zanella vom Beratungsunternehmen Willis Towers Watson. Über die berufliche Vorsorge hinweg dürften laut ihm 120 Mrd. Fr. oder mehr an Geldern fehlen. Die «Japanisierung» der Märkte in Richtung immer niedrigerer Zinsen erfordere extrem niedrige Bewertungsdiskontsätze, sagt Zanella. Diese wiederum machen es nötig, dass die Pensionskassen mehr Kapital für ihre Rentenbestände reservieren. (…)
Die FRP-4-Richtlinie ist ab Ende 2019 für alle Experten verbindlich anzuwenden. Pensionskassen mit vielen Rentnern müssen diese danach am risikoarmen Diskontsatz, also praktisch risikolos, bewerten. Es sei davon auszugehen, dass Kassen mit vielen Rentnern im Anschluss Kapital nachschiessen müssten, heisst es in der Branche. Kassen mit weniger Rentnern hingegen dürfen weiterhin einen höheren Diskontsatz anwenden, der sich nach der erwarteten Nettorendite richtet.
«Als Folge der Entwicklung droht eine Zweiteilung der Vorsorge-Welt in der Schweiz», sagt Zanella. Arbeitnehmer, die bei Kassen mit vielen Rentnern versichert sind, werden voraussichtlich noch über viele Jahre hinweg die Nachfinanzierung der Rentnerverpflichtungen über geringere Verzinsungen tragen müssen. Diese Entwicklung sei bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten gewesen. Im Gegensatz dazu sei zu erwarten, dass Versicherte in Kassen mit weniger Rentnern die erwarteten Vermögenserträge grosso modo voll gutgeschrieben bekämen. Laut Zanella stellt sich die Frage, ob diese Ungleichbehandlung wirklich gewollt ist.
Arbeit nach 65: So schröpft der Fiskus die Rentner
Nach der Pensionierung freiwillig zu arbeiten, ist unattraktiv. Denn die Steuerlast steigt massiv an, oftmals kommt es zu einer Verdreifachung. Mit der Rentenreform wird dieser Missstand zum Teil noch vergrössert, schreibt Albert Steck in der NZZ am Sonntag.
Angehende Rentner werden zunehmend umworben. Doch die gesalzene Steuerrechnung lässt sie vor einer weiteren Beschäftigung zurückschrecken. Bereits bei einem Einkommen von 90 000 Fr. springt die Steuerbelastung auf das Dreifache: Eine alleinstehende Person, wohnhaft in Bern, entrichtet dem Fiskus vor der Pensionierung rund 13 300 Fr. Als Rentner sinkt dieser Betrag nur wenig, auf 11 800 Fr., weil ohne Berufstätigkeit auch die Steuerabzüge wegfallen.
Bei einer Weiterarbeit dagegen verlangt der Fiskus plötzlich 34 300 Fr. – denn die Summe von Lohn und Renteneinkommen führt zu einer massiv höheren Steuerprogression. Hinzu kommen die weiterhin zu bezahlenden AHV-Beiträge. Diese sind nach der Pensionierung nicht mehr rentenbildend und erhalten somit ebenfalls den Charakter einer Steuer. Damit steigt die gesamte Belastung auf 38 100 Fr. Von der Rente geht also fast die Hälfte wieder zurück an den Fiskus. Die hohe Progression hat überdies zur Folge, dass die Steuerrechnung für das Eigenheim zunimmt.
Tiefstzinsen gefährden 2. Säule
Michael Ferber greift in der NZZ die gefährlichen Folgen der verbreiteten Zentralbankpolitik des billigen Geldes für die Pensionskassen auf, die wiederum Konsequenzen für die Unternehmensplanung hat. Ferber schreibt:
Viele Firmen sehen die Lösung darin, ihre Rentnerbestände loszuwerden – etwa, indem sie die berufliche Vorsorge an eine Versicherung oder eine Sammeleinrichtung auslagern. Dabei sollen sie sogar dazu bereit sein, draufzuzahlen. Ein Unternehmensberater berichtet von Fällen, in denen Unternehmen eingewilligt hätten, bei einem Rentnerbestand im Volumen von 100 Mio. Fr. – dieser war zu 100% zurückgestellt für künftige Rentenbezüger – eine Zahlung in Höhe von 25 Mio. Fr. zu leisten, um diesen aus der Bilanz zu bekommen.
Dies zeigt, welch grosse Probleme die künstlich tief gehaltenen Zinsen schaffen – bleiben sie noch mehrere Jahre so niedrig, werden sich die Schwierigkeiten noch vergrössern. Noch mehr Unternehmen werden sich aus der beruflichen Vorsorge zurückzuziehen versuchen. Auch bei Unternehmenstransaktionen wie Fusionen und Übernahmen werden die unterfinanzierten Rentnerbestände zunehmend zum Thema. So werden sie bei Firmenübernahmen dem Kaufpreis angelastet, was bei den Verhandlungen für böse Überraschungen sorgen kann. In der Schweiz sollen bereits mehrere Übernahmen aufgrund hoher Rentnerbestände gescheitert sein.





